Pressemitteilung // 13.11.2006

Angst vor Apothekensterben

Die Gesundheitsexpertin der Linkspartei.PDS und Vorsitzende des Bundestagsauschusses für Gesundheit, Dr. Martina Bunge, reagiert auf den Artikel „Angst vor Apothekensterben“ in der SVZ, Lokalausgabe Lübz vom 6.11.2006 und die darin geäußerten Befürchtungen des „Kreisvertrauensapotheker“ der Region Parchim, Wolfgang Zimmermann:


Ich kann die „Angst vor Apothekensterben“, die Apotheker Wolfgang Zimmermann publik gemacht hat, verstehen. In der Tat gefährdet die Gesundheitsreform eine sichere Arzneimittelversorgung.
Noch ist diese weitgehend sichergestellt. Mit den Neuregelungen in der Gesundheitsreform (GKV-WSG) jedoch gefährdet die Bundesregierung die bestehende Versorgungsqualität in fahrlässiger Weise.
Schon im Frühjahr diesen Jahres hat die Koalition mit einem Vorschaltgesetz ein Sparopfer von den Apotheken verlangt. Ziel dieses Gesetzes war es, die ausufernden Pharmaausgaben der gesetzlichen Versicherung in den Griff zu bekommen.
Bevor sich die Wirkungen dieses Gesetzes überhaupt voll entfalten können und die Apotheken die veränderten Rahmenbedingungen verarbeiten konnten, sollen sie mit der Gesundheitsreform erneut zur Ader gelassen werden: Im Frühjahr wurden sie gesetzlich gezwungen, auf Naturalrabatte der Pharmaindustrie zu verzichten. So sollten auf dem Rücken der Apotheken Einspareffekte erreicht werden.
Zukünftig sollen die Apothekerinnen und Apotheker saftige Geldrabatte mit den Pharmakonzernen aushandeln. Wenn auf diesem Weg ein Einsparvolumen von einer halben Milliarde Euro nicht erzielt werden kann, sollen sie diese Summe aus ihren Einkünften bestreiten.
Sicher haben wir eine Vielzahl von Apotheken. Aber nicht sie sind die Kostentreiber im Arzneimittelbereich; Kostentreiber sind die Pharmakonzerne. Denn die Ausgaben für Arzneimittel haben sich von 1995 bis 2005 von 8,94 Milliarden Euro auf 15,44 Milliarden Euro erhöht. Im gleichen Zeitraum haben sich die Rohgewinne der Apotheken und des Großhandels in Höhe von 5 Milliarden in 1995 und 4,94 Milliarden in 2005 sogar geringfügig reduziert.
Wenn die Pläne der Bundesregierung umgesetzt werden, kann das dazu führen, dass insbesondere auf dem Land viele Apotheken schließen oder ihr Beratungs- und Betreuungsangebot reduzieren bzw. einstellen müssen.
Im Interesse der Patientinnen und Patienten kann dies nicht hingenommen werden.
Als Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit des Deutschen Bundestages kann ich darüber informieren, dass sich die Pläne der Bundesregierung gerade in einem Anhörungsmarathon im Bundestag befinden. Von den meisten Sachverständigen werden die Probleme der Reform, auch die der Apotheker, klipp und klar benannt. Für mich als Gesundheitspolitikerin der Linkspartei.PDS, wie für die Opposition überhaupt, sind die außerparlamentarischen Proteste außerordentlich wichtig, um noch Änderungen im Gesetzgebungsprozess von den Koalitionsabgeordneten erzwingen zu können. Deshalb erkläre ich mich mit allen solidarisch, die gegen diese missglückte Reform demonstrieren.

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